Welche Arten von Visum kommen für KünstlerInnen in Frage?

Visum C: Reisevisum

Dabei handelt es sich um das klassische Schengenvisum, das sowohl für Besuchs- als auch für Geschäftsreisen erteilt werden kann. Erteilt wird es auch zur kurzfristigen Arbeitsaufnahme. Es berechtigt den/die InhaberIn zur Einreise in das und zum Aufenthalt im Gebiet der Schengenstaaten. Dabei ist zu beachten, dass Visa C nur für eine Höchstaufenthaltsdauer von 90 Tagen pro Halbjahr erteilt werden können.

Die Fristen werden ab dem Tag der ersten Einreise in das Staatsgebiet eines Staates gerechnet, der das Übereinkommen vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 betreffend den schrittweisen Abbau der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen in Kraft gesetzt hat (Schengenstaat).

Visum D: Aufenthaltsvisum

Im Gegensatz zum klassischen Schengenvisum berechtigt ein von einer österreichischen Vertretungsbehörde erteiltes (nationales) Visum D zu einem Aufenthalt bis zu 6 Monaten in Österreich. Ein von Österreich oder einem anderen Schengenstaat ausgestelltes Visum D berechtigt den/die InhaberIn, sich aufgrund dieses Visums und eines gültigen Reisedokuments ohne Erwerbsabsicht bis zu 3 Monate in einem Zeitraum von 6 Monaten frei im Hoheitsgebiet der übrigen Schengenstaaten zu bewegen, sofern die allgemeinen Einreisevoraussetzungen erfüllt sind und die Person nicht auf der nationalen Ausschreibungsliste des betroffenen Mitgliedstaats aufscheint.

Erwerbstätigkeit mit Visum (bis zu 6 Monaten)

Für die kurzfristige Arbeitsaufnahme im Bundesgebiet ist gemäß den Bestimmungen des Fremdenpolizeigesetzes (FPG) grundsätzlich ein so genanntes Aufenthaltsvisum der Kategorie D oder ein Schengenvisum der Kategorie C (zur kurzfristigen Arbeitsaufnahme) – je nach Länge des beabsichtigten Aufenthalts – mit dem Zusatz „ERWERB“ vorgesehen. Von dieser Regelung (Visumpflicht) sind grundsätzlich auch jene Drittstaatsangehörigen umfasst, die für andere Zwecke (z.B. Urlaubsreise) visumfrei einreisen dürfen. AntragstellerInnen für ein Visum C oder D zur kurzfristigen Arbeitsaufnahme haben bei der zuständigen österreichischen Vertretungsbehörde persönlich vorzusprechen und je nach Art der beabsichtigten Erwerbstätigkeit nach Rücksprache mit der Vertretungsbehörde die entsprechenden Dokumente vorzulegen. Personen, die dem Konsulat für ihre Integrität und Zuverlässigkeit bekannt sind, können von der Pflicht zum persönlichen Erscheinen entbunden werden; sie können ihren Antrag von einem/einer Dritten einreichen lassen oder ihn per Post schicken. Bei der erstmaligen Beantragung ist dies nicht möglich, die Integrität und Zuverlässigkeit des/der Antragstellers/Antragstellerin muss erst festgestellt und regelmäßig überprüft werden.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Personen, die

  • selbstständig erwerbstätig

Die künstlerische Tätigkeit ist bei Antragstellung bei der zuständigen österreichischen Vertretungsbehörde glaubhaft zu machen (Ausbildungsnachweise, frühere Engagements, etc.). Zulässig ist die Antragstellung sowohl durch darstellende als auch schaffende KünstlerInnen, jedoch muss die künstlerische Tätigkeit hierbei im Vordergrunde stehen (keine „singenden KellnerInnen“). Ausreichende Unterhaltsmittel sind hier vor allem durch Engagementverträge mit Theatern, Konzerthäusern etc. oder z.B. durch Vereinbarungen mit Galerien nachzuweisen. Je nach Dauer der beabsichtigten Tätigkeit ist entweder ein Visum C oder D zu beantragen.

  • und unselbstständig erwerbstätig sind

Grundsätzlich benötigen KünstlerInnen, auf die das Ausländerbeschäftigungsgesetz (AuslBG) anwendbar ist, zur Aufnahme einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit eine Beschäftigungsbewilligung. Je nach Dauer der beabsichtigten Tätigkeit ist entweder ein Visum C oder D zu beantragen.

Ausnahme:
Gem. § 3 Abs. 4 AuslBG dürfen Fremde, die Konzert- oder BühnenkünstlerInnen, ArtistInnen, Film-, Rundfunk- und Fernsehschaffende oder MusikerInnen sind, 1 Tag oder (bis zu) 4 Wochen im Rahmen einer künstlerischen Gesamtproduktion zur Sicherung eines Konzerts, einer Veranstaltung, einer Vorstellung, einer laufenden Filmproduktion, einer Rundfunk- oder Fernsehlivesendung ohne Beschäftigungsbewilligung beschäftigt werden. Die Tätigkeit muss jedoch von dem/der VeranstalterIn bzw. Produzenten/Produzentin am Tag der Arbeitsaufnahme der zuständigen regionalen Geschäftsstelle des Arbeitsmarktservice angezeigt werden. In diesen Fällen benötigen visumpflichtige Fremde ein Visum C. Personen, die generell von der Visumpflicht befreit sind, können visumfrei einreisen.

BEISPIEL
Ein kanadischer Trapezkünstler des Cirque du Soleil will drei Wochen in Österreich auftreten. Da es sich hier um Auftritte im Rahmen einer künstlerischen Gesamtproduktion handelt, ist bloß eine Anzeige beim AMS erforderlich und der Künstler, der als kanadischer Staatsangehöriger grundsätzlich von der Visumpflicht befreit ist, benötigt auch dafür kein Visum.